Proteine sind Strukturmaterialien. Haare bestehen hauptsächlich aus Keratinprotein. Die Anwendung von Proteinen auf das Haar sollte es theoretisch stärken. Die Realität ist spezifischer: Die Effekte hängen davon ab, welches Protein verwendet wird, wie es verarbeitet wurde und was es auf dem Haarschaft bewirkt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu sind ziemlich spezifisch.
Warum Haare externes Protein benötigen
Der Haarschaft ist totes Gewebe; die Keratinzellen, aus denen er besteht, stellten ihre biologische Aktivität ein, als das Haar aus dem Follikel herauswuchs. Dies bedeutet, dass der Schaft kein neues Protein produzieren oder sich von innen heraus selbst reparieren kann. Die externe Proteinanwendung ist die einzige Möglichkeit, das Strukturmaterial des Schafts zu ergänzen, nachdem es durch Hitze, chemische Behandlungen, mechanische Beanspruchung oder Umwelteinflüsse geschädigt wurde.
Wenn die Kutikulaschicht des Haares beschädigt ist, die überlappenden Schuppen angehoben oder abgesplittert sind, wird der innere Kortex freigelegt und anfällig. Hydrolysierte Proteine können diese Lücken vorübergehend füllen und die Oberfläche glätten, wodurch die Widerstandsfähigkeit des Haares gegenüber weiteren mechanischen Schäden verbessert und seine optischen Eigenschaften (Glanz entsteht durch eine glatte, lichtreflektierende Oberfläche) optimiert werden.
Wie Hydrolyse Proteine verändert
Natürliche Proteine wie Weizen, Reis, Soja, Seide oder Keratinquellen sind große Moleküle. In ihrer intakten Form sind sie zu groß, um sinnvoll mit dem Haarschaft zu interagieren. Die Hydrolyse zerlegt sie in kleinere Fragmente (Peptide und freie Aminosäuren), indem sie unter kontrollierten Bedingungen von Hitze und pH-Wert oder mit Enzymen mit Wasser behandelt werden.
Die resultierenden hydrolysierten Proteine sind klein genug, um auf und in den Haarschaft zu adsorbieren. Ihr Molekulargewicht bestimmt, wo sie wirken:
- Niedermolekulare Fragmente (kleinere Peptide und Aminosäuren) können näher an den Kortex eindringen und eine interne Verstärkung bieten.
- Höhermolekulare Fragmente beschichten die Kutikulaoberfläche und sorgen für Glättung und Oberflächenschutz.
Die meisten kommerziellen hydrolysierten Proteinbestandteile enthalten eine Verteilung von Molekulargewichten, die beide Effekte bieten.
Die wichtigsten botanischen Proteinquellen
Hydrolysiertes Weizenprotein ist eines der am besten untersuchten Pflanzenproteine für die Haarpflege. Es hat in Laborstudien eine Adsorption an Haarkeratin und eine messbare Verbesserung der Zugfestigkeit und Elastizität gezeigt. Es wird aus Weizengluten durch Hydrolyse gewonnen.
Hydrolysiertes Reisprotein wird aus Reiskleie oder Endosperm gewonnen. Es hat typischerweise ein geringeres Molekulargewicht als Weizenprotein und dringt leichter in den Kortex ein. Studien haben eine Verbesserung der Haarfexibilität und eine Verringerung der Kämmkraft gezeigt.
Hydrolysiertes Sojaprotein bietet pflegende Effekte und hat eine Affinität zu geschädigtem Haar gezeigt, da geschädigte Kutikula-Bereiche, die positiver geladen sind, die negativ geladenen Proteinfragmente stärker anziehen. Diese selektive Ablagerung bedeutet, dass das Protein dorthin gelangt, wo es am dringendsten benötigt wird.
Hydrolysiertes Seidenprotein (aus Bombyx mori Seide) wird wegen seines geringen Molekulargewichts und seiner hohen Aminosäurevielfalt geschätzt. Es sorgt für Glättung und Glanzverbesserung mit minimalem Zusatzgewicht bei feinem Haar.
Was die Forschung zeigt
Laborstudien zu hydrolysierten Proteinen in der Haarpflege zeigen durchweg: messbare Adsorption an Haarkeratin, Verbesserung der Zugfestigkeit nach Proteinbehandlung, Reduzierung der Kämmkraft (leichteres Entwirren) und Verbesserung der Oberflächenglätte, gemessen mittels Rasterelektronenmikroskopie und Atomkraftmikroskopie.
Diese Effekte sind vorübergehend; sie halten bis zum nächsten Waschzyklus an, der das abgelagerte Protein teilweise entfernt. Eine konsequente Anwendung erhält den Nutzen durch wiederholte Ablagerung aufrecht.
Klinische Studien zur Verbraucherwahrnehmung bestätigen im Allgemeinen die Laborergebnisse: Anwender berichten von weniger Haarbruch, verbesserter Kämmbarkeit und erhöhtem Glanz bei regelmäßiger Anwendung proteinhaltiger Produkte.
Protein in COSMOS-zertifizierten Formeln
Hydrolysierte Proteine pflanzlichen und tierischen Ursprungs (einschließlich Seide und Keratin) können unter dem COSMOS-Standard zertifiziert werden, wenn sie aus natürlichen Quellen stammen und durch zugelassene Methoden verarbeitet werden. Hydrolyse ist eine unter COSMOS zugelassene Umwandlung. Dies bedeutet, dass zertifizierte Naturprodukte tatsächlich wirksame Proteinbestandteile ohne synthetische Chemie enthalten können.
Unser BLOOM BATH Shampoo und BLOOM BALM Conditioner enthalten hydrolysiertes Keratin als Teil einer COSMOS-zertifizierten Formel, die für feines Haar entwickelt wurde. Die RESCUE MASKE bietet eine konzentrierte Proteinbehandlung für geschädigtes Haar. Das gesamte Sortiment findest du in unserer Volume and Body Kollektion.
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Häufig gestellte Fragen
Ist hydrolysiertes Protein dasselbe wie eine Keratinbehandlung?
Nein. Hydrolysiertes Protein in Shampoo und Conditioner umhüllt und verstärkt den Haarschaft vorübergehend durch Adsorption. Salon-Keratinbehandlungen verwenden hohe Hitze und Vernetzungschemie (oft mit Formaldehyd freisetzenden Verbindungen), um semi-permanente strukturelle Veränderungen zu erzeugen. Sie teilen das Konzept Protein, wirken aber durch völlig unterschiedliche Mechanismen.
Kann zu viel Protein das Haar schädigen?
Übermäßiger Gebrauch hochkonzentrierter Leave-on-Proteinbehandlungen, insbesondere bei grobem, wenig porösem Haar, kann zu einer Proteinüberladung führen, bei der das Haar steif, spröde und bruchanfällig wird. Dies ist eher bei intensiven Leave-on-Proteinbehandlungen relevant als bei Auswaschprodukten. Bei Auswaschformeln (Shampoo, Conditioner) sind die Kontaktzeit und die Ablagerungsmengen viel geringer, und eine Proteinüberladung durch normale Anwendungshäufigkeit ist selten.
Beeinflusst die Porosität des Haares, wie gut Proteine wirken?
Ja. Haar mit hoher Porosität (mit einer offeneren Kutikula-Struktur, oft durch chemische Behandlungen oder Hitzeschäden) neigt dazu, Protein leichter aufzunehmen als Haar mit geringer Porosität (mit einer dichten, glatten Kutikula). Bei Haar mit hoher Porosität füllen Proteine die Kutikula-Lücken und verbessern die Struktur. Bei Haar mit geringer Porosität verbessern kleinere Molekulargewichtsproteine und längere Kontaktzeiten die Aufnahme. Haar mit geringer Porosität kann mehr von feuchtigkeitsfokussierten Behandlungen als von proteinreichen Formeln profitieren.
Sind tierische Proteine (Seide, Keratin) besser als pflanzliche Proteine?
Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen tierischem Keratinprotein und menschlichem Haarkeratin ist höher als zwischen pflanzlichen Proteinen und Haarkeratin, was einen gewissen Vorteil hinsichtlich Affinität und Ablagerung bieten kann. Gut formulierte Kombinationen pflanzlicher Proteine können jedoch vergleichbare kosmetische Effekte erzielen. Der Leistungsunterschied in der Praxis hängt eher von Formulierung, Konzentration und Haartyp ab als einfach von der Proteinquelle.
Wie schnell verbessern Proteine den Haarzustand?
Eine Verbesserung ist bereits nach einer einzigen Anwendung messbar, da die Proteinablagerung sofort bei Kontakt mit dem Haarschaft beginnt. Der kumulative Effekt einer konsequenten Anwendung über mehrere Waschzyklen ist signifikanter. Die meisten Benutzer berichten von einer spürbaren Verbesserung der Kämmbarkeit, des Glanzes und weniger Haarbruch innerhalb von zwei bis vier Wochen konsequenter Anwendung einer proteinhaltigen Routine.