Ja, viele davon schon. COSMOS zertifiziert, woher ein Inhaltsstoff stammt und wie er hergestellt wurde, nicht ob das Wort "Sulfat" auf dem Etikett steht. Sodium Coco-Sulfate aus Kokosöl ist nach dem Standard zulässig und steckt in zahlreichen zertifizierten Shampoos. SLES ist nicht zulässig, aus einem Grund, der mit dem Wort selbst nichts zu tun hat.
Das sorgt für viel Verwirrung, auch in mehreren veröffentlichten Listen, die behaupten, zertifizierte Shampoos seien "sulfatfrei". Das steht so nicht im Standard. Hier ist, was tatsächlich geregelt wird.
Was COSMOS wirklich verbietet
Der COSMOS-Standard regelt drei Dinge: die Herkunft der Rohstoffe, die erlaubten chemischen Verfahren zu ihrer Verarbeitung und die Umweltwirkung des Ergebnisses. Veröffentlicht wird eine Liste zulässiger Verfahren, keine Liste verbotener Marketingwörter.
Zu den verbotenen Verfahren gehört die Ethoxylierung, bei der Ethylenoxid zum Einsatz kommt. Diese eine Regel schließt eine ganze Familie gängiger Kosmetikstoffe aus: PEGs, die meisten Polysorbate und Sodium Laureth Sulfate (SLES). Ebenfalls ausgeschlossen sind petrochemische Derivate, Silikone, Parabene und synthetische Duftstoffe.
Was nicht auf dieser Liste steht: die Sulfatierung. Einen Fettalkohol zu sulfatieren ist ein zulässiges Verfahren, wenn der Fettalkohol aus natürlicher Quelle stammt. Genau deshalb landen die beiden folgenden Inhaltsstoffe auf verschiedenen Seiten der Grenze.
Warum SLES draußen bleibt und Sodium Coco-Sulfate drin ist
| SLES (Sodium Laureth Sulfate) | Sodium Coco-Sulfate | |
|---|---|---|
| Herkunft | Meist petrochemisch oder aus Palmöl | Fettalkohole aus Kokosöl |
| Verfahren | Ethoxylierung, dann Sulfatierung | Nur Sulfatierung |
| Ethylenoxid beteiligt | Ja | Nein |
| Nach COSMOS zulässig | Nein | Ja |
Ausschlaggebend ist die Ethoxylierung. Bei diesem Verfahren können Spuren von Verunreinigungen zurückbleiben, deshalb schließt der Standard es ganz aus, statt einen Grenzwert festzulegen. Das Wort "Sulfat" spielt bei dieser Entscheidung keine Rolle.
Ist Sodium Coco-Sulfate nur SLS mit schönerem Namen?
Das ist die berechtigte Frage, und sie verdient eine direkte Antwort statt eines Ausweichmanövers.
Chemisch sind die beiden verwandt. Sodium Coco-Sulfate entsteht durch Sulfatierung der Fettalkohol-Mischung aus Kokosöl, und diese Mischung enthält auch Laurylalkohol, dieselbe Kette, aus der Sodium Lauryl Sulfate entsteht. SCS enthält also einen Anteil dessen, was chemisch SLS ist, daneben längere Ketten wie Myristyl und Cetyl.
Der behauptete praktische Unterschied: Die längeren Ketten erhöhen die durchschnittliche Molekülgröße, und größere Moleküle dringen weniger leicht in die Haut ein, was die Mischung milder machen würde. Diese Begründung ist plausibel und wird oft wiederholt, aber die veröffentlichte Evidenz, die beide direkt vergleicht, ist begrenzt. Wer dir sagt, der Unterschied sei dramatisch, geht über das hinaus, was die Daten hergeben.
Unstrittig ist: SCS stammt aus Kokos, ist nicht ethoxyliert und ist nach COSMOS zulässig. Es ist ein echtes Reinigungstensid und kann ein Spannungsgefühl hinterlassen, wenn eine Formel nicht mit milderen Co-Tensiden abgepuffert ist.
Was "sulfatfrei" wirklich aussagt
Für sich genommen sehr wenig. Es ist eine Aussage über eine einzige Inhaltsstoff-Familie, nicht über die Qualität einer Formel. Ein Shampoo kann sulfatfrei sein und trotzdem Silikone, synthetische Duftstoffe und petrochemische Pflegestoffe enthalten. Ausführlicher dazu in reinigt sulfatfreies Shampoo überhaupt.
Außerdem ist es eine Aussage ohne rechtliche Definition, genau das Muster hinter den meisten Begriffen auf Kosmetiketiketten. Dasselbe gilt für "clean", "natürlich" und "ungiftig", behandelt in Greenwashing in der Haarpflege erkennen.
Worauf du stattdessen achten solltest
- Die vollständige INCI-Liste, nicht die Vorderseite der Flasche. Sie ist nach Konzentration sortiert und markenübergreifend standardisiert.
- Welche Tenside tatsächlich enthalten sind und ob schärfere mit milderen Co-Tensiden wie Coco-Glucoside oder Cocamidopropyl Betaine abgepuffert werden.
- Ob eine unabhängige Stelle zertifiziert hat und nach welchem Standard. Was ECOCERT COSMOS zertifiziert bedeutet erklärt den Auditprozess, und COSMOS Natural versus COSMOS Organic die zwei Stufen.
- Wie deine Kopfhaut reagiert, der einzige Test, der dich persönlich berücksichtigt.
Wo wir stehen
Unsere Shampoos enthalten Sodium Coco-Sulfate, und wir bezeichnen sie nicht als sulfatfrei. Sie sind nach dem ECOCERT COSMOS Standard zertifiziert, der diesen Inhaltsstoff erlaubt und den ethoxylierten verbietet. Was wir korrekt sagen können: Sie enthalten kein SLS und kein SLES, und die vollständige INCI-Liste steht auf jeder Produktseite, damit die Aussage überprüfbar ist und nicht geglaubt werden muss.
Das Shampoo für coloriertes Haar ist ein Beispiel: Sodium Coco-Sulfate, abgepuffert mit Coco-Glucoside und Cocamidopropyl Betaine, mit Aloe-Blattsaft als Basis. Das zu sagen ist nützlicher als eine Aussage, die sauberer klingt und weniger erklärt.