Die Wörter natürlich, clean, green und eco stehen auf einem riesigen Anteil der Haarpflegeprodukte. In Europa und UK ist keiner dieser Begriffe für Kosmetik gesetzlich definiert. Eine Marke kann jeden davon auf eine Flasche drucken, ohne regulatorische Folgen, es sei denn, sie macht eine konkrete, überprüfbare Aussage, die sich als falsch nachweisen lässt.
Genau in diesem Umfeld gedeiht Greenwashing. So liest du daran vorbei.
Die Wörter, die nichts verifizieren
Die folgenden Begriffe haben keine geregelte Definition im EU- oder UK-Kosmetikrecht. Sie können auf jedem Produkt stehen, egal was drin ist:
- Natürlich
- Clean
- Green
- Umweltfreundlich
- Pur
- Plant-powered
- Bewusst
- Nachhaltig (wenn auf das Produkt bezogen, nicht auf geprüfte Praktiken)
- Frei von (gefolgt von Inhaltsstoffen, die das Produkt nie enthalten hat)
Keiner davon verlangt eine unabhängige Prüfung. Keiner sagt dir etwas Konkretes über das, was im Produkt ist.
Visuelles Greenwashing
Greenwashing wirkt über Design genauso wie über Worte. Signale, auf die du achten solltest:
- Grüne Verpackung mit Blatt- oder Pflanzenmotiven bei einem Produkt ohne Bio-Zertifizierung
- Hervorheben einzelner Inhaltsstoffe ("mit Arganöl", "mit Aloe Vera"), während diese Stoffe nur in Spuren enthalten sein können
- Zertifizierungen, die es gibt, die aber irrelevant sind: ein Produkt kann ein Tierversuchsfrei-Logo tragen und trotzdem erdölbasierte Inhaltsstoffe enthalten
- Vage Nachhaltigkeitsversprechen ("wir lieben den Planeten") ohne messbaren Standard oder unabhängige Prüfung
Das eine verlässliche Signal: unabhängige Zertifizierung
Der verlässlichste Weg, eine Natur- oder Bio-Aussage zu bewerten, ist eine konkrete, überprüfbare Zertifizierung von einer unabhängigen Stelle zu suchen. Anerkannte Zertifizierungen in EU und UK sind unter anderem:
- COSMOS Natural / COSMOS Organic, zertifiziert von ECOCERT, der Soil Association oder anderen akkreditierten Stellen
- NATRUE, ein weiterer europäischer Standard für Natur- und Biokosmetik
- Soil Association Organic, ein anerkannter britischer Bio-Standard
Diese Zertifizierungen verlangen jährliche Audits durch die Zertifizierungsstelle. Eine Marke kann sich nicht selbst zertifizieren. Rezeptur, Rohstoffherkunft und Herstellungsprozess werden alle geprüft. Siehst du eines dieser Logos, kannst du das Produkt in der öffentlichen Datenbank der Stelle prüfen.
Worte auf einem Etikett verlangen nichts. Ein Zertifizierungslogo einer akkreditierten Stelle verlangt ein Audit.
So liest du die Inhaltsstoffliste
Die EU- und UK-Kosmetikvorschriften verlangen eine vollständige INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) auf jedem Produkt. Diese Liste, meist klein gedruckt auf der Rück- oder Unterseite, nennt dir alles in der Rezeptur in absteigender Konzentration.
Ein paar praktische Dinge, auf die du achten kannst:
- Position der Schlüsselzutaten. Steht ein pflanzlicher Stoff am Ende einer langen Liste, ist seine Konzentration wahrscheinlich sehr niedrig, manchmal unter 1%.
- Silikone. Gängige Namen sind Dimethicone, Cyclopentasiloxane, Cyclohexasiloxane und Amodimethicone. Sie sind erdölbasiert und in COSMOS-Rezepturen ausgeschlossen.
- PEG-Verbindungen. Stoffe mit "PEG" im Namen sind Polyethylenglykole, meist petrochemisch gewonnen.
- Parfum / Fragrance. Dieses eine Wort kann in EU und UK legal Hunderte nicht deklarierte synthetische Verbindungen abdecken.
Regulatorische Richtung
Regulierer in EU und UK bewegen sich auf strengere Beschränkungen für unbelegte Umweltaussagen zu. Die EU-Green-Claims-Richtlinie, derzeit im Gesetzgebungsprozess, wird Marken verpflichten, Umwelt-Marketingaussagen mit Belegen zu untermauern, sonst drohen Strafen. Sie ist noch nicht in Kraft, zeigt aber die Richtung an.
Bis dahin bleibt die unabhängige Zertifizierung das verlässlichste Verbraucherwerkzeug.
Alle NUDA-Produkte sind nach dem ECOCERT COSMOS Standard zertifiziert, jährlich auditiert. Keine Selbstzertifizierung. Keine ungeprüften Aussagen.
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Ein konkretes Beispiel: Unser Rosmarinöl für Haare und Kopfhaut gibt COSMOS Organic Zertifizierung von ECOCERT an, nennt also Standard und Zertifizierungsstelle, statt sich nur natürlich zu nennen.
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Häufige Fragen
Ist "frei von Sulfaten" eine Greenwashing-Aussage?
Nicht zwangsläufig, es kann eine sinnvolle, überprüfbare Aussage sein, wenn das Produkt wirklich keine Sulfate enthält. Das Greenwashing-Muster entsteht, wenn Marken das Fehlen eines Inhaltsstoffs betonen, während die Rezeptur weiter andere synthetische Verbindungen mit ähnlichen Bedenken enthält. "Sulfatfrei" allein zeigt keine zertifizierte Naturrezeptur an.
Was bedeutet "dermatologisch getestet"?
"Dermatologisch getestet" heißt, dass ein Dermatologe das Produkt in irgendeiner Form geprüft hat, und bedeutet nicht, dass es zugelassen, empfohlen wurde oder einen bestimmten Test bestanden hat. Es sagt nichts über die Inhaltsstoffliste oder den Zertifizierungsstatus der Rezeptur aus.
Kann ich "bio" auf einem Haarpflege-Etikett vertrauen?
In EU und UK ist das Wort "bio" für Kosmetik nicht gesetzlich geregelt. Eine Marke kann es ohne Zertifizierung nutzen. Verlässlich ist ein zertifiziertes Logo: COSMOS Organic, Soil Association Organic oder ähnlich von einer akkreditierten unabhängigen Stelle. Ohne anerkanntes Zertifizierungslogo hat das Wort "bio" auf einem Kosmetiketikett keine garantierte Bedeutung.
Wie verbreitet ist Greenwashing in der Beauty-Branche?
Untersuchungen von Beauty- und Pflegeaussagen finden regelmäßig, dass ein erheblicher Anteil der "Natur"- oder "Eco"-Aussagen unbelegt ist. Eine Studie der Europäischen Kommission von 2021 ergab, dass 42% der grünen Aussagen in den Mode- und Beauty-Branchen übertrieben, falsch oder unbegründet waren. Regulatorische Maßnahmen nehmen zu, aber die Lücke zwischen Aussage und Realität bleibt groß.
Was ist die EU-Green-Claims-Richtlinie?
Die EU-Green-Claims-Richtlinie ist ein EU-Gesetzentwurf, der Unternehmen verpflichten würde, Umwelt-Marketingaussagen vor der Verwendung mit Belegen zu untermauern, etwa über Lebenszyklusanalysen. Unternehmen mit unbelegten grünen Aussagen drohten Strafen. Stand 2026 durchläuft die Richtlinie noch den EU-Gesetzgebungsprozess und ist noch nicht in Kraft.