Wenn du je in einer Beautyabteilung standest und überlegt hast, ob ein Produkt wirklich natürlich oder bio ist, hier etwas Wissenswertes: Die Wörter natürlich und bio auf einem Kosmetiketikett in EU und UK haben keine gesetzliche Definition. Keine Behörde definiert sie. Kein Mindeststandard gilt. Jede Marke kann beide Wörter auf jedes Produkt setzen.
Das ist kein Schlupfloch. Es ist der aktuelle Stand der EU- und UK-Kosmetikregulierung, konkret der EU-Kosmetikverordnung 1223/2009, die Kosmetikprodukte in der EU regelt und die UK nach dem Brexit in ihren Rechtsrahmen übernommen hat. Die Verordnung verlangt die vollständige Inhaltsstoffangabe über die INCI-Liste, verbietet bestimmte schädliche Stoffe und setzt Sicherheitsanforderungen. Sie definiert "natürlich" oder "bio" nicht.
Was die Verordnung tatsächlich verlangt
Die EU- und UK-Kosmetikvorschriften verlangen:
- Eine vollständige INCI-Inhaltsstoffliste auf jedem Produkt, in absteigender Konzentration
- Eine verantwortliche Person, die rechtlich für die Sicherheit des Produkts haftet
- Eine Produktinformationsdatei mit Sicherheitsbewertungen
- Verbot bestimmter gelisteter Stoffe (über 1.300 Stoffe verboten oder beschränkt)
Was die Verordnung nicht tut, ist zu definieren, was "natürlich", "bio", "clean" oder "green" für ein Kosmetikprodukt bedeutet. Das bleiben Marketingbegriffe, die jede Marke ohne Beleg nutzen kann.
Die INCI-Liste: das eine verlässliche Dokument
Die INCI-Inhaltsstoffliste, meist klein gedruckt auf der Rückseite der Verpackung, ist gesetzlich vorgeschrieben und nennt dir genau, was im Produkt ist, von der höchsten zur niedrigsten Konzentration. Sie lesen zu lernen ist verlässlicher als jede Marketingaussage.
Ein paar Anhaltspunkte:
- Stoffe weit oben machen den Großteil der Rezeptur aus
- Stoffe am Ende liegen oft unter 1% Konzentration
- Wasser steht als Aqua und ist bei den meisten Rinse-off-Produkten der erste Stoff
- Silikone erscheinen als Dimethicone, Cyclopentasiloxane, Amodimethicone und ähnliche Namen
- Erdölbasierte Verdicker und Weichmacher sind etwa Petrolatum, Paraffinum Liquidum und Ceresin
- Synthetischer Duft steht als Parfum, ein einziges Wort, das viele nicht deklarierte Verbindungen abdecken kann
Was unabhängige Zertifizierung stattdessen leistet
Unabhängige Zertifizierungsstellen füllen die Lücke, die die Regulierung offenlässt. Organisationen wie COSMOS-standard, NATRUE und die Soil Association definieren ihre eigenen Standards dafür, was "natürlich" oder "bio" bedeutet, und prüfen über unabhängige Audits, dass Produkte diese Standards erfüllen.
Das heißt: Trägt ein Produkt ein COSMOS Natural oder COSMOS Organic Logo, hat das Wort "natürlich" oder "bio" auf diesem Produkt eine konkrete, auditierte Bedeutung:
- Keine erdölbasierten Inhaltsstoffe
- Keine synthetischen Duftstoffe
- Keine Silikone
- Keine GVO
- Keine Parabene
- Jährliches unabhängiges Audit zur Prüfung der Konformität
Ohne Zertifizierungslogo einer anerkannten Stelle bedeuten dieselben Wörter nichts Konkretes.
So prüfst du die Zertifizierung einer Marke
Seriöse Zertifizierungen sind öffentlich überprüfbar. ECOCERT führt eine durchsuchbare Datenbank zertifizierter Produkte. Die COSMOS-standard-Organisation führt ein Register zertifizierter Marken. Behauptet eine Marke COSMOS- oder ECOCERT-Zertifizierung, kannst du das konkrete Produkt nachschlagen und den Status direkt bestätigen, ohne dich auf das Marketing der Marke zu verlassen.
Der Großteil der NUDA-Produkte ist nach dem ECOCERT COSMOS Standard zertifiziert. Unsere Zertifizierungen kannst du auch auf unserer Zertifizierungsseite einsehen.
Stöbere in unserer zertifizierten Range: Volume and Body, Shine and Colour, Scalp Health.
Als Beispiel zum Selbstnachprüfen: Die Haarmaske für strapaziertes Haar nennt ihre ECOCERT COSMOS Zertifizierung und die vollständige INCI-Liste auf der Produktseite.
Weiterlesen
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- Clean, natürlich, bio und zertifiziert: der Unterschied in der Haarpflege
- Welche Haarmarken sind in UK und EU COSMOS-zertifiziert?
Häufige Fragen
Ist "natürlich" in der EU für Kosmetik irgendwo geregelt?
Nein. Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 definiert "natürlich" für Kosmetik nicht. Auch einzelne EU-Mitgliedstaaten haben keine eigenen Definitionen. Die EU-Green-Claims-Richtlinie, Stand 2026 im Gesetzgebungsprozess, könnte künftig mehr Verbindlichkeit bei Umwelt- und Naturaussagen bringen, ist aber noch nicht in Kraft.
Was ist mit UK nach dem Brexit?
UK hat die EU-Kosmetikverordnung nach dem Brexit ins UK-Recht übernommen. Stand 2026 bleiben "natürlich" und "bio" in der UK-Kosmetikregulierung undefiniert. UK hat die Soil Association als national anerkannte Bio-Zertifizierungsstelle, aber ihre Zertifizierung ist freiwillig, Marken müssen sie nicht erwerben, um das Wort "bio" zu nutzen.
Können Marken für irreführende "Natur"-Aussagen bestraft werden?
Ja, aber indirekt. Während Kosmetikregulierer keine Definitionen von "natürlich" durchsetzen, können Werberegulierer das. In UK kann die Advertising Standards Authority (ASA) gegen irreführende Werbeaussagen vorgehen, auch gegen Natur- oder Bio-Aussagen, die sich nicht belegen lassen. In der EU kann die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken gegen nachweislich falsche Aussagen genutzt werden. Die Durchsetzung ist uneinheitlich, aber nicht ganz abwesend.
Bedeutet "frei von Parabenen", dass ein Produkt natürlich ist?
Nein. Ein Produkt kann parabenfrei sein und trotzdem synthetische Duftstoffe, Silikone oder erdölbasierte Inhaltsstoffe enthalten. "Frei von"-Kennzeichnung betont das Fehlen bestimmter Stoffe und sagt nichts darüber, was das Produkt enthält oder ob es einen Natur- oder Bio-Standard erfüllt.
Wenn ich eine Natur-Aussage prüfen will, worauf soll ich achten?
Achte auf ein konkretes Zertifizierungslogo einer anerkannten unabhängigen Stelle: COSMOS Natural, COSMOS Organic, NATRUE oder Soil Association Organic. Bestätige diese Zertifizierung dann in der öffentlichen Datenbank der Stelle. Das ist der verlässlichste Weg, der Verbrauchern derzeit zur Verfügung steht. Marketingsprache auf der Vorderseite, so prominent sie auch ist, ersetzt keine unabhängige Prüfung.